Dr. med. Karin Schüllermann
Bettina Scholz
Praxis für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren

Blut ist ein besonderer Saft

„ Wir müssen mal wieder Blut abnehmen!“ Diesen Satz bekommen Sie (nicht nur bei uns) in vielen Arztpraxen immer mal wieder zu hören. Die Blutanalyse kann oft genauere Informationen über Vorgänge im Körper geben, anzeigen ob und wie sich eine Erkrankung entwickelt, Medikamente vertragen werden, der Körper sich regeneriert oder Risikofaktoren entstehen.

Nicht jeder/jedem ist das Blutabnehmen angenehm, aber in der Regel ist die Sache schnell vorbei, und der Körper kann den „Verlust“ von ca. 10ml Blut gut kompensieren. Ein gesunder, erwachsener Körper besteht ca. zu 7-8% des Körpergewichtes aus Blut, d.h. je nach Größe und Gewicht haben wir 4-6Liter Blut, das durch unsere vielen Blutgefäße alle Teile unseres Körpers erreicht und verbindet. Durch die Zusammensetzung des Blutes werden ganz unterschiedliche Aufgaben erfüllt. Über unser Blut werden Nährstoffe, Vitamine, Hormone, Salze, etc. transportiert, der Sauerstoff wird zu den Zellen gebracht, Abbaustoffe werden den Ausscheidungsorganen zugeführt, die weißen Blutkörperchen arbeiten als Teil unserer Immunabwehr, über die Blutzirkulation wird unser Wärmehaushalt reguliert.

Hauptbestandteil unseres Blutes sind die Blutzellen und darunter stellen die roten Blutkörperchen, die Erythrozyten, den größten Anteil dar. Die roten Blutkörperchen werden im Knochenmark gebildet und dann an das Blut abgegeben. Dort bleiben sie ca. 3 Monate bis sie in der Milz wieder abgebaut werden. Während dieser Zeit sind die Erythrozyten damit beschäftig den Sauerstoff, der in der Lunge in den Körper aufgenommen wird, zu den einzelnen Organen zu bringen. Für diese Aufgabe sind sie mit dem „Hämoglobin“ ausgestattet, dem roten Blutfarbstoff. Hier ist der größte Anteil des Körpereisens gebunden, und wer schon einmal unter einem Eisenmangel gelitten hat, weiß wofür wir es benötigen. Ohne Eisen kann nämlich nicht genügend Hämoglobin gebildet werden und der Sauerstofftransport wird deutlich eingeschränkt. Für unsere Organfunktionen – egal ob Magen, Leber, Gehirn oder Muskulatur, etc.- heißt ein Mangel an Sauerstoff immer nur eines: „gaaanz“ langsam!!! Keine Energie, keine Kraft, alles wird mühsam. Die Haut wird dann ganz blass, weil der rote Blutfarbstoff fehlt, der uns bei guter Hautdurchblutung eine gesunde Gesichts/Hautfarbe macht, es kann zu vermehrtem Haarausfall kommen, die Nägel können brüchig werden. An der Zellmembran der roten Blutkörperchen befinden sich übrigens auch die Kennzeichen der Blutgruppen.

Die weißen Blutkörperchen, die Leukozyten, wirken quasi als Polizei im Gefäßsystem. Ihre Aufgabe besteht darin, fremde Eindringlinge wie z.B. Viren oder Bakterien zu erkennen, zu binden und unschädlich zu machen. Dabei gibt es eine „Arbeitsteilung“. Die weißen Blutkörperchen bestehen aus verschiedenen, spezialisierten Untergruppen (zu erkennen im Differentialblutbild), die jeweils spezielle Aufgaben der Immunabwehr wahrnehmen. So gibt es z.B. Zellen, die die Eindringlinge nur markieren, damit andere Gruppen sie vernichten und später abbauen können.

Die Blutplättchen (Thrombozyten) haben eine ganz andere Funktion. Bei einer Verletzung lagern sie sich an das geschädigte Blutgefäß an und bilden einen „ Pfropf“ um die Wunde zu verschließen. Anders als die roten Blutkörperchen, werden die Thrombozyten alle 5-9 Tage neu gebildet.

Das Blutplasma, also die Flüssigkeit ohne die Blutzellen, transportiert die verschiedenen Nährstoffe, aber auch Vitamine und Mineralstoffe zu den Organen. Bei der Analyse können wir dann z.B. erkennen wie hoch der transportierte Blutzucker oder die Fettwerte sind. Aber auch die Abbaustoffe können analysiert werden und geben uns gute Hinweise auf die Funktion der Ausscheidungsorgane, genauso wie die Untersuchung der verschiedenen Informationsmoleküle, wie z.B. Hormone, Eiweiße etc., Hinweise auf die Stabilität der Organe gibt.

Für alle diese verschiedenen Labormessungen gibt es sogenannte Normalwerte, bzw. den Referenzbereich. Dieser wird durch Messungen bei gesunden Menschen ermittelt. Es gibt aber auch immer gesunde Menschen, deren Werte außerhalb dieser Normbereiche liegen. Man kann das gut mit der Körpergröße vergleichen. Auch hier gibt es sogenannte „Normalgrößen“. Trotzdem gibt es immer größere und kleinere Menschen, die völlig gesund sind. Für die Interpretation unserer Laborwerte gilt daher, dass sie einen Hinweis auf eine bestimmte Störung geben können. Ein auffälliger Laborwert allein ist aber noch keine Diagnose.