Dr. med. Karin Schüllermann
Bettina Scholz
Praxis für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren

Darm und Gesundheit

Wer kennt das nicht – wenn die Verdauung nicht stimmt, wenn es rumpelt, dröhnt oder gar nichts mehr geht, fühlen wir uns nicht wohl. Irgendetwas stimmt nicht, und der ganze Mensch mit Körper und Seele ist nicht mehr im Gleichgewicht. Im Bereich der Naturheilverfahren ist man diesem Zusammenhang schon lange auf der Spur, inzwischen fängt auch die Universitätsmedizin an, den Darm und sein kompliziertes System ernst zu nehmen.

Unser Darm kann natürlich unsere Nahrung verdauen, aber er enthält auch 70% aller Immunzellen. Da liegt es nahe, dass die Darmgesundheit viel mit dem Immunsystem zu tun hat. Immunzellen sollen auf der einen Seite Krankheitserreger abwehren, auf der anderen Seite tolerant gegenüber einer Vielzahl verschiedener Nahrungsmittelbestandteile und nützlichen Darmkeimen sein.

Um uns gesund zu erhalten, sind im Darm ganz unterschiedliche Strukturen wichtig. Zum einen ist der Mukus, die Schleimschicht auf der Darminnenwand, eine Barriere um krankeitsauslösende Keime abzuwehren. Die zweite Reihe der Körperabwehr bilden die Darmzellen, ein enger und dichter Zellverbund, der durch ganz enge Verbindungen abgedichtet ist. In ihm liegen Zellen zur Aufnahme der Nahrungsmittelbestandteile und Immunzellen zur Abwehr von Keimen nebeneinander.

Noch viel komplexer ist aber das System, das auf unserer Schleimhaut lebt. Ca. 100 Billionen Bakterien leben im Darm. Deren Aufgabe ist es, den Körper bei verschiedenen Prozessen zu unterstützen. Dazu gehört der Abbau von Kohlehydraten und Eiweiß, der Abbau von bestimmten Giftstoffen, die Produktion einiger Vitamine, die Regulation des Zucker- und Fettstoffwechsels, die Anregung der Darmperistaltik, die Abwehr von Keimen und auch die direkte Versorgung der Darmzellen mit Energie.
Vielleicht haben Sie schon einmal Antibiotika – Medikamente, die Bakterien abtöten – einnehmen müssen. Ein Teil der bekannten Nebenwirkungen, nämlich Unwohlsein und Durchfälle – ergeben sich ganz logisch, denn ein Teil des Antibiotikums verbleibt im Darm und tötet auch dort Bakterien ab. Diese brauchen wir aber für eine gesunde Darmfunktion. Daher unser Rat: Nach Einnahme eines Antibiotikums unbedingt etwas für die Darmflora tun!

Der Darm in seiner Gesamtfunktion leidet schnell auch unter Faktoren, wie Zigarettenkonsum, zu viel Alkohol, Stress, unter bestimmten Medikamenten (wie Schmerzmittel, Immunsuppressiva, Kortison etc.), chronischen Erkrankungen und einer falschen Ernährung. Gerade eine so häufige Ernährungsweise mit chemisch aufbereiteten Nahrungsmitteln, Farb- , Geschmacks- und Konservierungsstoffen so wie viel rotem Fleisch und Kohlehydraten in Form von Zucker oder Mehlprodukten wie Brot und Nudeln reizt das Immunsystem und verändert die Aufnahme von Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Ein durch falsche Ernährung gereiztes Immunsystem produziert leider unter anderem auch Entzündungsmarker, die zum Beispiel für Herzinfarkte mit verantwortlich gemacht werden. Ein anderes Beispiel ist die verminderte Aufnahme von bestimmten Eiweißbestandteilen wie z. B. der Aminosäure Tryptophan, was die Neigung zu Depressionen verstärkt.

Daher sollten wir im Alltag nicht vergessen dass eine ausgewogene Ernährung, die Eiweiß, Zucker, ungesättigte Fettsäuren, sekundäre Pflanzenstoffe, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente enthält, eine wichtige Rolle für den Darm und für unser Immunsystem spielt. Für uns hier, in unserer Umgebung, die wir in der Regel keinem körperlich anstrengenden Beruf nachgehen, sollte eine gesunde Mischkost die Regel sein. Dazu gehören:
• Verzicht auf künstliche Nahrungsmittelzusätze, wie sie in Fertigprodukten vorkommen
• Viel gekochtes Gemüse (Rohkost und Salate nur in Abhängigkeit von der individuellen Verträglichkeit)
• Ausreichend eiweißhaltige Nahrungsmittel, wie Fleisch, Fisch, Milchprodukte (soweit verträglich) und pflanzliches Eiweiß aus Hülsenfrüchten etc.
• Kohlehydrate nur mäßig; dabei lohnt sich die deutliche Reduktion von schnell
verwertbaren Kohlehydraten wie Zucker und Weißmehlprodukten und die Einbeziehung von langsam freisetzenden Kohlehydraten, wie zum Beispiel Linsen, Kichererbsen etc. Diese sind wertvoller sowohl für unseren Lebensstil als auch für unsere Figur.

Noch wichtiger ist eine gesunde Ernährung, wenn der Körper bereits erkrankt ist. Zusätzlich sollte dann auch untersucht werden, ob nicht die Darmflora, die so genannte Mikrobiota, in ihrem Gleichgewicht gestört ist und wieder ausgeglichen werden muss.
Für eine solche Therapie braucht man etwas Geduld. Der menschliche Darm ist immerhin ca. 6 Meter lang. Mit Kapseln, Pulver oder Tropfen brauchen wir dementsprechend Zeit um überall eine gesunde Flora wieder anzusiedeln. Die Diagnostik und Therapie kostet Zeit, Geld (keine Übernahme durch die Krankenkassen) und einen langen Atem. Der Gewinn für die Gesundheit kann allerdings immens sein. Wenn Sie Fragen haben, sprechen Sie uns bitte an!