Dr. med. Karin Schüllermann
Bettina Scholz
Praxis für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren

Darmerkrankungen Teil1

Das größte Organ in unserem Körper ist der Darm. Auf ca.6 Meter Länge entwickelt er durch unendlich viele Falten und Zotten eine Oberfläche von der Größe circa eines Fußballfeldes. Ein so großer Bereich unseres Körpers muss ja ganz besondere Aufgaben haben. Natürlich gehört zu den wichtigsten Aufgaben die Verdauung und Aufnahme der Nährstoffe aus der Nahrung. Weniger bekannt ist, dass der Darm auch beteiligt ist an der Regulation des Wasserhaushaltes und sogar Hormone und Botenstoffe produziert. In den letzten Jahren wurde aber auch die große Bedeutung des Darmes für unser Immunsystem bekannt.

Direkt im Anschluss an den Magen beginnt der Dünndarm mit seinem ersten Anteil, dem Zwölffingerdarm. Hier wird die im Magen durch die Magensäure vorverdaute Nahrung weiter in ihre Bestandteile zerlegt und diese einzelnen Bausteine werden genau wie Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente über die Darmzellen in den Körper aufgenommen und dann an das Blut abgegeben. Im Zwölffingerdarm mündet auch ein gemeinsamer Zufluss von Gallenflüssigkeit für die Fettverdauung und von Bauchspeichelflüssigkeit aus der Bauchspeicheldrüse. Die unverdaulichen Nahrungsreste gelangen vom Dünn- in den Dickdarm. Dort wird dem Speisebrei Flüssigkeit entzogen und auch Mineralstoffe. Im gesamten Darmverlauf leben mehrere Trillionen Darmbakterien. Auch sie haben für uns ganz wichtige Funktionen. Einige Gruppen bilden einen Schleimhautschutz oder helfen mit bei der Verdauung. Andere Bakteriengruppen unterstützen unsere Immunzellen, die an bzw. in der Darmwand liegen, wieder andere bilden Stoffwechselprodukte, die unsere Darmzellen als Ernährung brauchen und schließlich gibt es eine große Anzahl an Bakterien, die mit unserem Immunsystem zusammen unseren Körper vor fremden Organismen aber auch vor schädlichen Bestandteilen der Nahrung schützen.

Ein so komplex aufgebautes Organ wie der Darm kann natürlich auch erkranken. Die Symptome, die wir wahrnehmen, sind – bedingt durch die verschiedenen Darmfunktionen -häufig erst einmal ähnlich und zeigen uns noch nicht gleich die zu Grunde liegende Erkrankung. Völlegefühl, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung (oder beides abwechselnd), Druckgefühl, Bauchkrämpfe und Übelkeit können zu den verschiedensten Darmerkrankungen gehören.

Grundsätzlich gehören zur Abklärung von Magen-Darmbeschwerden die klassische Diagnostik mit Magen , Darmspiegelung, Laborwerten, evt. Oberbauchsonografie, Abklärung von Unverträglichkeit von Milchzucker, Fruchtzucker und Gluten und Ausschluss von Erkrankungen durch Salmonellen & Co. Ergeben sich dabei keine Anhaltspunkte für die Ursachen von Beschwerden, sollte ein ganz besonderes Augenmerk auf die bakterielle Besiedelung des Darmes und die Therapiemöglichkeiten hier gelegt werden. Mit einer gründlichen Analyse der im Darm des Patienten vorkommenden Bakterien und ggf Pilzstämmen, mit einer Untersuchung der Verdauung der einzelnen Nahrungsbestandteile und des Immunsystems kann viel erkannt werden und oft über die mikrobiologische Therapie mit verschiedenen Darmbakterien oder Autovaccinen auch verträglich behandelt werden. Diese ursprüngliche Domäne der Naturheilverfahren, die in unserer Praxis seit über 20 Jahren angewendet wird, wird in den letzten Jahren zunehmend auch auf Universitätsebene erforscht und weiterentwickelt. Hier rücken dann auch Erkrankungen außerhalb des Darmes in den Fokus, denn das Immunsystem des Darms ist auch für andere Schleimhäute und die Haut zuständig. Erwähnt seien hier kurz die allergischen Erkrankungen , Asthma, Heuschnupfen, aber auch Neurodermitis, chronisch Nebenhöhlenentzündungen oder Blaseninfekte etc., und natürlich auch die Nebenwirkungen von Antibiotika.