Dr. med. Karin Schüllermann
Bettina Scholz
Praxis für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren

Qigong, Neigong, Tai Chi, Softening Exercises

Hohe Belastung durch beruflichen, persönlichen oder familiären Dauerstress und lange Arbeitszeiten führen bei vielen von uns zu einer Daueranspannung. – Ein Zustand, der über längere Zeit gesundheitliche Folgen hat: Herz-Kreislauferkrankungen wie z.B. hoher Blutdruck, psychische Überlastungsreaktionen, Schlafstörungen, Depressionen, Muskelverspannungen, Neigung zu Infekten und vieles anderes mehr.

Das ist vielen bekannt und wohl bewusst, es ist jedoch im täglichen Leben trotzdem schwer, gegenzusteuern. Eine Ursachenbeseitigung, was ja das medizinisch sinnvollste wäre, ist eben nicht möglich. Man kann den belastenden Situationen nicht ausweichen, kann Beruf oder familiäre Doppelbelastungen nicht einfach abschaffen.

Aber man kann versuchen dieser Situation etwas entgegenzusetzen.

Dazu existieren Möglichkeiten welche sich in verschiedenen Kulturkreisen ähnlich entwickelt haben, z. B.: Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation, Qigong, Neigong, Tai Chi.

Vergleicht man die verschiedenen Methoden, so stellt man zunächst fest, dass die östliche Medizin über eine längere Tradition und Erfahrung im Bereich der Gesunderhaltung, dem Abbau von Stress, dem Ausgleich und der Wiederherstellung einer Harmonie von Körper und Geist verfügt. Man denke nur an taoistische Mönche, die durch entsprechende Praktiken früher versuchten, ein möglichst langes Leben zu erreichen – „unsterblich“ zu werden.

Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich verschiedene Praktiken und Methoden: rein mentale Übungen, Übungen in Ruhe und in Bewegung bis hin zur Kampfkunst. Grundsätzlich basieren alle auf denselben Prinzipien, sie bewirken einen harmonischen Ausgleich der letztlich unser Gleichgewicht bestimmenden Polaritäten Yin und Yang, Anspannung und Entspannung, Aktivität und Passivität und deren Wandel, sowie der Herstellung eines harmonischen Qi Flusses (Energieflusses) in unserem Körper.

Mit diesen ganzheitlich angelegten Begriffen werden in der chinesischen Medizin die Vorraussetzungen für ein langes und gesundes Leben, für Vitalität von Körper und Geist umschrieben. Körper und Geist sind dabei untrennbar miteinander verbunden.

Spezielle Vorkenntnisse oder sportliche Eignungen sind für das Erlernen dieser Methoden nicht erforderlich. Wichtig ist neben regelmäßiger Übung eine sehr genaue und fachkundige Anleitung und Begleitung. Tai Chi, Qigong und ähnliche Verfahren lassen sich nicht durch einmalige Wochenendkurse vermitteln, denn es handelt es sich nicht um rein gymnastische Übungen. Qualifizierte Lehrer können auf eine langjährige Ausbildung bei Meistern einer bestimmten Schule verweisen und müssen sich auch eingehend mit dem gedanklichen Hintergrund der Methoden beschäftigt haben.

Wie wirkt Tai Chi?

Qigong, Neigong, Tai Chi und insbesondere auch die sogennannten „Geschmeidig machenden Übungen“ sind ein ganzheitliches Übungsprogramm. Auf der körperlichen Seite machen Sie Muskeln, Bänder und Gelenke elastisch, beweglich, geschmeidig und stärken diese Strukturen, sie Trainieren die Körperwahrnehmung, die Balance, die Wahrnehmung des Schwerpunktes im Körper und Koordination der Bewegungen. Daraus folgt in medizinischer Hinsicht z. B die in mehrfachen Studien belegte Wirkung zur Sturzprophylaxe.

Auf der geistigen, psychischen Seite kann man durch die langsamen und ruhig fließenden Bewegungen dieser Übungen verbunden mit Konzentration und mentaler Achtsamkeit zu Ruhe und Entspannung kommen. Es findet nicht nur eine körperliche Bewegung statt, sondern auch eine ganz deutliche geistige, psychische, innere Veränderung.

Dass heißt, hiermit erlernt man ein ganzheitliches Übungssystem für Körper und Geist, zur echten Prävention körperlicher Erkrankungen und zur Erzielung einer besseren geistigen Fitness.

Ein weiterer medizinisch interessanter Aspekt dieser Methoden ist, dass man sie auch zur begleitenden Übung bei Behandlung bestimmter Erkrankungen heranziehen kann, also nicht nur zur Prävention. Anwendungsbeispiele sind z.B.: Rückenschmerzen, Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen (hier spielt Stress häufig eine sehr große Rolle), Bewegungs- und Koordinationsstörungen nach Schlaganfällen. Dazu ist ein enges Zusammenspiel zwischen diesen Verfahren und unserer westlichen Medizin, Krankengymnastik, und traditionell chinesischer Medizin wie Akupunktur und eventuell auch chinesischer Kräutertherapie notwendig. Es handelt sich hierbei nicht um konkurrierende sondern ergänzende Verfahren. Ziel ist es, durch Kombination von verschiedenen Seiten her je nach Krankheitsbild eine Verbesserung der Gesamtsituation des Patienten, eine Stabilisierung des Gesundheitszustandes, eine bessere Schmerzlinderung und verbesserte Beweglichkeit oder eine bessere „Stressresistenz“ zu erreichen.

Zusätzlich handelt es sich beim Tai Chi um eine sogenannte innere Kampfkunst. Nach entsprechend langer Übung und Erfahrung können von außen einwirkende Kräfte neutralisiert, umgeleitet und gegen den Angreifer gewendet werden. Es kommt hier nicht auf die grobe Muskelkraft an, was immer wieder zu erstaunlichen Resultaten führt.

Einen ersten praktischen Eindruck von diesen Methoden können Sie in unserem Schnupperkurs der „Geschmeidig machenden Übungen“ erhalten, den wir mit dem Lehrer Herrn Calogero Randazzo zusammen Anfang Februar abhalten wollen. Gerne laden wir Sie ein, sich dafür anzumelden.