Dr. med. Karin Schüllermann
Bettina Scholz
Praxis für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren

Arthrose

Eine lästige Abnutzungserscheinung

Arthrose ist eine der typischen Diagnosen bei Gelenkschmerzen ab einem Alter von ca. 40 Jahren. Was ist da eigentlich los?

Dazu muss man zunächst den Aufbau und die Eigenschaften eines Gelenkes betrachten. Knorpel überzieht die Gelenkfläche von Gelenkkopf und Gelenkpfanne mit einer glatten Schicht und hat die Aufgabe, Stöße zu dämpfen und zusammen mit der Gelenkflüssigkeit, die wie eine Schmiere wirkt, eine reibungslose Bewegung zu ermöglichen. Die Knorpeldicke misst zwischen 2 und 8 mm je nach Gelenk. Der Knorpel wird ernährt über die Gelenkflüssigkeit, die bei regelmäßiger Be- und Entlastung regelrecht in den Knorpel „eingewalkt“ wird. Wichtig ist dabei die Balance zwischen Be- und Entlastung. Sowohl Über- und Fehlbelastung als auch Bewegungsmangel führen zu Abnutzungserscheinungen des Knorpels – zu Arthrose. Der Knorpel wird rau und fasrig, es entsteht Abrieb, der wie Sand im Getriebe wirkt. Zu Schmerzen kommt es dann letztendlich durch Fehl- und Überlastung des Kapsel- und Bandapparates der Gelenke sowie durch entzündungsfördernde Substanzen, die aus den zerstörten oder geschädigten Knorpelzellen freigesetzt werden. Die Arthrose ist dann entzündlich aktiviert, das Gelenk tut dem Patienten weh, es kann in diesem Zustand auch gerötet und spürbar überwärmt sein. Im Endstadium kann der Gelenkknorpel vollständig aufgebraucht sein, so dass Knochen auf Knochen reibt. Zusätzlich können sich im Laufe der Zeit knöcherne Randzacken bilden. Die Beweglichkeit des Gelenkes ist immer stärker eingeschränkt. Diese Veränderungen kann man in verschiedenen Stadien der Ausprägung im Röntgenbild sehen – an den verschiedensten Gelenken: Knie, Hüfte, Schulter, Wirbelsäule, Fingergelenke.

Wenn man das so liest, sind das eigentlich keine ermutigenden Aussagen, und das schon ab einem Alter von 40 Jahren. Zum Glück sagen die im Röntgenbild sichtbaren Veränderungen der Gelenke nichts über die tatsächlich vorhandenen Schmerzen aus, dass heißt auch bei sichtbaren Veränderungen hat man die Chance schmerzfrei zu sein.
Was kann man therapeutisch tun?

Eine richtig ursächliche Therapie – d.h. Wiederaufbau des Knorpels – gibt es leider nicht. Ziel ist es daher zunächst, den Abbau des Knorpels hinauszuzögern und entzündliche Vorgänge im Gelenk zu beheben. Falls dies nicht mehr möglich ist gibt es als letzte Möglichkeit den operativen Ersatz z.B. von Hüft- oder Kniegelenken.

Wir wollen uns im Folgenden mit den vielfältigen Möglichkeiten der konservativen, d. h. nicht operativen Therapien beschäftigen. Im Fall der akuten Reizung und Schmerzen ist es häufig sinnvoll zu schulmedizinischen sog. Rheumamitteln zu greifen (Voltaren, Ibuprofen, usw.). Diese Medikamente sollten gezielt und wenn möglich zeitlich begrenzt eingesetzt werden, da sie zu unerwünschten Nebenwirkungen im Magen-Darm-Bereich führen können. Sie sind jedoch gut entzündungshemmend und von daher im Akutfall indiziert. Bei chronischen und leichteren Schmerzen lohnt sich auf jeden Fall der Versuch naturheilkundlicher Therapien mit pflanzlichen Medikamenten wie zum Beispiel Teufelskralle, einer Vielzahl von Kombinationspräparaten sowie orthomolekularer Therapie, über die wir Sie gerne im Einzelfall beraten. Diese kann man auch als Dauermedikation einnehmen. Um entzündlich Prozesse zu vermindern, lohnt es sich zusätzlich 1-2 mal pro Jahr kurmäßig eine Eigenbluttherapie ergänzt mit homöopathischen Mitteln durchzuführen, in besonderen Fällen kann es ratsam sein, dies als Infusion durchzuführen. Infusionen haben sich besonders im Rahmen von Ausleitungen bewährt, darüber jedoch im nächsten Kapitel mehr.

Als sehr gut wirksam hat sich die Akupunktur gegen Schmerzen der Gelenke und Wirbelsäule erwiesen. Bei Kniegelenksarthrose und Beschwerden der Lendenwirbelsäule wird diese Therapie sogar von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Darüber hinaus ist sie bei allen anderen Gelenkschmerzen genauso effektiv und wirksam, wird jedoch von den gesetzlichen Krankenkassen in diesen Fällen nicht erstattet. Physikalische Therapien, Thermalbäder, Wärme- oder im akuten Fall auch Kälteanwendungen sind altbewährte zusätzliche Möglichkeiten der Therapie, die man nutzen sollte.

Soweit die Therapien. Was kann man selbst tun?

Sie sollten aktiv werden. Regelmäßige Bewegung ist wichtig, Schwimmen und Fahrradfahren sind dabei besonders gelenkschonend. Übergewicht muss reduziert werden, jedes Kilo belastet ihren Knorpel zusätzlich. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Obst und weniger Fleisch wirkt gegen freie Radikale, verhindert Übersäuerung und hilft so, Entzündungen zu hemmen. Die Versorgung mit Mikronährstoffen sollte sichergestellt werden, evt. durch zusätzliche gezielte Gabe, Vit E, C und Selen sind z. B. entzündungshemmend, Vit D und Calcium wichtig gegen Osteoporose.

Da stellt sich die Frage: Womit soll man zuerst anfangen?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Die Antwort ist sowohl von dem Grad der Arthrose und den damit verbunden Beschwerden abhängig als auch von der individuellen Gesamtsituation. Am besten ist immer ein individueller Therapieplan, den wir gerne mit Ihnen erstellen. Genauso wie die Arthrosebeschwerden immer mehrere Ursachen gleichzeitig haben, ist es entsprechend auch sinnvoll, diese gleichzeitig von mehreren Seiten her zu therapieren.

Als kleiner Hinweis für unsere Fibromyalgie geplagten Patienten – viele der oben genannten naturheilkundlichen Therapien sowie die im nächsten Kapitel erörterte Entgiftungskur lassen sich mit Erfolg zur Milderung der fibromyalgiebedingten Schmerzen einsetzen. Bei diesem Krankheitsbild ist eine dauerhafte kontinuierliche Begleitung erforderlich. Dies gilt insbesondere für die Behandlung mit Akupunktur, die gute Erfolge zeigt, wenn sie auf Dauer begleitend angewandt wird, das bedeutet je nach individuellem Ansprechen Akupunkturbehandlungen im Abstand von 3 Wo