Dr. med. Karin Schüllermann
Bettina Scholz
Praxis für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren

Bluthochdruck

„Ihr Blutdruck ist nicht ganz in Ordnung. Das muss in den nächsten Tagen noch einmal nach gemessen werden.“ Diesen Satz kann man auch in unserer Praxis immer wieder hören. Aber, was heißt das eigentlich, Ihr Blutdruck ist zu hoch?

In den letzten Jahrzehnten gab es immer mal wieder neue Werte, die als „ Normaler Blutdruck“ bezeichnet wurden. Seit einigen Jahren ist aber allgemein wissenschaftlich anerkannt, dass ein normaler Blutdruck 120mmHg (1. Wert)und 80mmHG ( 2. Wert) beträgt.

Der Blutdruckwert bezeichnet quasi den Flüssigkeitsdruck in der Leitung und wird gemessen in der Einheit Millimeter Quecksilbersäule (mmHg). Dabei erzeugt der Herzschlag, der das Blut durch die Arterien pumpt, den ersten Wert, während der zweite Wert den Dauerdruck in den Blutgefäßen angibt. Dieser wird erzeugt durch die Spannung der Arterienwände. Falls die Werte höher liegen als 140 (1.Wert) und/oder 90 (2. Wert) spricht man von einer manifesten Bluthochdruck Erkrankung.

Leider bemerkt man einen erhöhten Blutdruck nur selten durch Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel, häufiges Nasenbluten, Ohrensausen, Kurzatmigkeit oder Schmerzen in der Brust. Oft fallen erhöhte Werte nur beim Messen auf. Ein akut deutlich erhöhter Blutdruck (über 230/130mmHg) kann ganz plötzlich zu einem Schlaganfall oder Herzinfarkt führen, aber auch niedrigere Blutdruckwerte erhöhen deutlich das Risiko, eine dieser beiden lebensbedrohlichen Erkrankungen zu entwickeln.

Je länger unsere „Rohre“, also die Arterien, einem zu hohen Druck stand halten müssen, um so eher versteifen sie, die Arterienwände verdicken und lagern Kalk ein: die Atherosklerose, Gefäßwandverkalkung, beginnt! In der Folge können dann Erkrankungen, wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenerkrankungen, Durchblutungsstörungen, Erkrankungen des Augenhintergrundes etc. entstehen. Um solche Komplikationen zu verhindern, sollte der Blutdruck unbedingt normalisiert werden. Ob und wie weit ein erhöhter Blutdruck gesenkt werden muss, hängt allerdings nicht nur von der gemessenen Druckhöhe beider Werte ab, sondern auch von Begleiterkrankungen, die das Gesamtrisiko für Schlaganfall und Herzinfarkt beeinflussen. Diabetiker zum Beispiel sollten einen strenger eingestellten Blutdruck haben, da ihre Zuckererkrankung ein weiteres Risiko für Atherosklerose darstellt.

Die Ursachen einer Bluthochdruckerkrankung können Erkrankungen der Schilddrüse, der Nebennieren, spezielle Hormonerkrankungen, Verengung der Nierenarterien oder der Hauptschlagader sein. In den allermeisten Fällen können wir allerdings keinerlei Grunderkrankung für den erhöhten Blutdruck verantwortlich machen, sondern müssen von einer eventuell genetisch verursachten Erkrankung ausgehen.

Die ersten Massnahmen zur Blutdrucksenkung sind übrigens ohne Rezept und ohne Kosten erhältlich. (Dass sie dennoch nicht immer leicht durchzuführen sind, ist uns, als Ihren Ärztinnen, durchaus sehr bewusst!)

  1. Nikotinverzicht – Zigaretten erhöhen zwar nicht den Blutdruck, sind aber ein so hoher Risikofaktor für Gefäßverkalkung, dass sie bei erhöhtem Blutdruck doppelt schädlich wirken.
  2. Salzreduktion – die Reduktion der täglichen Salzration von ca 12-15g auf 4-6g täglich kann den Blutdruck deutlich senken. Und denken Sie daran, nicht nur der Salzstreuer, sondern auch die meisten Fertigprodukte enthalten Salz!
  3. Bewegung – mäßige aber kontinuierliche Bewegung reduziert den Blutdruck und verbessert die Durchblutung der Organe.
  4. Alkoholreduktion – Alkohol stimuliert das vegetative Nervensystem. Dadurch schlägt das Herz schneller und stärker, der Blutdruck steigt. (Unkritisch ist eine Alkoholmenge von ca. 20g pro Tag, d.h. 0,5l Bier oder 0,2l Wein.)
  5. Gewichtsabnahme – selbst 5kg weniger auf der Waage haben schon einen positiven Effekt. Besonders schädlich ist übrigens das „Bauchfett“, daher soll der Bachumfang bei Männern < 102cm sein, bei Frauen < 88cm.
  6. Stressabbau – jede innere Anspannung lässt auch den Blutdruck steigen. Alles, was den inneren Druck abbauen kann, egal ob Spazierengehen, Meditieren, Musik hören oder selber musizieren, Entspannungsübungen ist hier sinnvoll.

Wenn durch diese Massnahmen der erstrebte Blutdruckwert nicht erreicht werden kann, müssen doch Medikamente verordnet werden. Aus den verschiedenen Medikamentengruppen, die alle ganz verschiedene Ansatzpunkte haben, versucht man für jeden Patienten individuell das Medikament heraus zu finden, das ihm am besten hilft und mit dessen möglichen Nebenwirkungen der/die jeweilige Patient/in am besten umgehen kann. Manchmal werden dann auch Kombinationen verschiedener Medikamente notwendig.

Durch regelmäßige Blutdruck-Kontrollen, am besten zu Hause unter normalen Alltagsbedingungen, wird die Therapie kontrolliert und unter Umständen an neue Gegebenheiten (z.B. Gewichtsabnahme, Änderung der Ernährung, regelmäßige Bewegung, u. ä.) angepasst. Übrigens, den Blutdruck misst man zu Hause im Sitzen, nach einer ca. 5 minütigen Ruhephase. Und falls der Wert überraschend ausfällt: bitte nicht sofort nach messen! Fast jedes Blutdruckmessgerät braucht einige Minuten, um sich neu ein zu stellen. Zu früh gemessene Werte sind auf jeden Fall falsch!

Und noch ein ganz wichtiger Hinweis: die häufigste Ursache für zu hohe Blutdruckwerte in der Praxis ist der „Weißkittel- Blutdruck “. Wir beißen zwar nicht, wissen aber sehr wohl, dass viele unserer Patienten zu Hause viel bessere Werte haben als hier bei uns! Also am besten auch zu Hause den Blutdruck kontrollieren. Und wenn Sie unklare Werte haben, zeigen Sie uns ihre Messungen und lassen Sie uns Ihr Messgerät mit unserer Messung vergleichen.