Dr. med. Karin Schüllermann
Bettina Scholz
Praxis für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren

Borreliose und FSME

Liebe Patienten, wenn wir wieder über Zecken schreiben, werden Sie vielleicht denken – nicht schon wieder!

Hirnhautentzündung, FSME und zu knapper Impfstoff sind genügend durch die Presse gegangen. Trotzdem – Zecken bleiben weiter unangenehm und – Sie können sich über einen Zeckenbiss mit der Borreliose infizieren. Anders als bei der FSME Erkrankung gibt es bei der Borreliose keine bevorzugten Vorkommensgebiete, sie kommt weltweit vor. Natürlich sind zeckenreiche Gebiete, und dazu scheinen wir leider wirklich zu gehören, besonders betroffen.

Die Borreliose-Erkrankung entsteht über eine Infektion mit Bakterien, den Borrelien, die im Verdauungstrakt von Zecken vorkommen können.

Die Erkrankung kann in 3 Stadien auffallen. Im Frühstadium – einige Tage bis Wochen nach dem Zeckenbiss – kann man mit unspezifischen Symptomen wie Kopf- und Gliederschmerzen und Fieber reagieren, und oft bildet sich die Wanderröte. Das ist eine ringförmige Hautrötung um den ehemaligen Zeckenbiss, die weder juckt noch schmerzt. Nach einigen Wochen bis Monaten kann es zum Stadium II kommen mit Gelenkbeschwerden (besonders im Bereich der Knie), und/oder neurologischen Symptomen (Hirnhautentzündung, Nervenreizungen und Entzündungen) oder auch Herzbeschwerden. Im Stadium III – Monate bis Jahre nach der Infektion – können eine chronische Infektion des Nervensystems, Hautveränderungen an Händen und Füßen, chronische Gelenkbeschwerden oder der Befall anderer Organe eintreten.

Anders als bei der FSME Erkrankung können alle Stadien der Borreliose mit Antibiotika über mindestens 2-4 Wochen therapiert werden.

Eine sichere Blickdiagnose der Borreliose bietet nur die Wanderröte, die rund um den Zeckenbiss entstehen kann, aber nicht muss. Der Nachweis von Antikörpern gegen die Bakterien im Blut ist leider nicht immer eindeutig: zum einen dauert es nach einer Infektion relativ lange – Wochen bis Monate – bis die Antikörper nachweisbar sind, zum anderen können Antikörpernachweise im Blut auch dann positiv bleiben, wenn die Erkrankung längst ausgeheilt, behandelt oder zu einer chronischen Infektion geworden ist.

Eine relativ neue Alternative bietet der sogenannte „T-Cell-Spot“, der hoch sensitiv den Kontakt mit Borrelien anzeigt. Er ist sicherer als der ältere Test. Dabei kann differenziert werden, ob eine akute oder chronische Erkrankung vorliegt und auch, ob eine Antibiotikatherapie erfolgreich war. Dieser Test kann also genau dort eine Aussage machen, wo die alten Tests unsicher sind. Er wird leider von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen, wir bieten ihn für Sie über ein Speziallabor als Selbstzahlerleistung ab sofort an.

Natürlich ist es für uns alle am besten, wenn wir gar nicht erst erkranken. Dabei gilt: – nach dem Aufenthalt im Freien den Körper nach Zecken absuchen – im Freien möglichst lange Kleidung tragen – evt. insektenvertreibende Hautsprays oder Flüssigkeiten
Falls eine Zecke zugebissen hat, diese sofort entfernen – Borrelien werden erst nach 6-12 Stunden Bisszeit übertragen, FSME Erreger dagegen sofort nach dem Biss.

Sind Sie FSME geimpft?

Zeckenbisse sind in unserer Gegend sehr häufig. Über Zeckenbisse sind zwei wesentliche Erkrankungen übertragbar, Borrelliose und FSME (Frühsommermeningoencephalitis). Bekannt war diese Erkrankung bisher in Südhessen nur in Teilen des Odenwalds. Neu ist, dass sich seit 2005 die FSME bis zu uns ausgebreitet hat. Es handelt sich dabei um eine Viruserkrankung, die mit grippeähnlichen Symptomen beginnt und dann nach einem symptomfreien Intervall von einer Woche zu einem schweren Krankheitsbild mit Fieberanstieg, schwerstem Krankheitsgefühl, Kopfschmerzen und Lähmungen führt, tödliche Verlaufsformen sind möglich.

Gegen diese Erkrankung existiert die Möglichkeit einer Impfung, die vom Gesundheitsamt angeraten und von den Krankenkassen übernommen wird. Die Grundimmunisierung besteht aus 3 Impfungen, die sie bei uns durchführen lassen können. Aufgrund der möglichen Schwere der Erkrankung empfehlen wir diese Impfung grundsätzlich für alle, die sich regelmäßig im Freien aufhalten und in den Kontakt mit Zecken kommen können – nicht nur während ihrer Arbeit, sondern auch in Freizeit und beim Sport.