Dr. med. Karin Schüllermann
Bettina Scholz
Praxis für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren

Harndrang

Wer schon einmal eine Harnblasenentzündung hatte, kann sich daran erinnern: ein ziehendes oder drückendes Gefühl im Unterleib, Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen und das Gefühl „alle Nase lang“ gehen zu müssen, obwohl sich immer nur tropfenweise Urin entleert. Bakterielle Entzündungen der Harnblasse sind nicht nur schmerzhaft und unangenehm, sondern sollten auch schnell behandelt werden, um aufsteigende Infekte bis hin zu einer gefährlichen Nierenbeckenentzündung zu verhindern. Je nach Urinbefund werden pflanzliche Arzneimittel, wie z.B. Bärentraubenblätter und Goldrute verordnet, oder es muss ein Antibiotikum eingenommen werden. Normalerweise sind nach 3-5 Tagen die Beschwerden verschwunden und es bleiben keine weiteren Einschränkungen, außer der Maßgabe, weiter viel zu trinken und sich warm zu halten.

Leider gibt es aber Menschen, die ähnliche Beschwerden, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt, immer wieder oder immerzu haben. Der Urinbefund ist dann oft unauffällig, eine Antibiotika – Behandlung zeigt keinerlei Erfolg, aber die Beschwerden bleiben und werden chronisch: Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen, häufiges Wasserlassen – oft auch nachts -, starker und plötzlicher Harndrang. Einigen Menschen wird dies so unangenehm, dass sie sich nur noch dorthin trauen, wo eine Toilette schnell erreichbar ist.

Die Ursachen dieser Beschwerden sind recht unterschiedlich und auch nicht völlig aufgeklärt, dennoch zeigen sich immer eine ähnliche Reaktionen. Wenn bei gesunden Menschen die Harnblase gefüllt ist, melden feine Messfühler an das Gehirn „Blase voll“, das Bewusstsein registriert „ ich müsste mal auf die Toilette“ und wir spannen willkürlich die Beckenbodenmuskulatur an, um den Urin einzuhalten bis wir die Blase entleeren können. Bei Patienten mit Reizblase ist die Meldung „Blase voll“ gestört und erfolgt häufig, obwohl sich nur wenig Urin in der Blase befindet – so können nur Tropfen entleert werden. Oder die Blasenmuskulatur ist übersensibel und reagiert so schlecht auf das Signal „noch Einhalten“, dass es zu spontanem Urinabgang kommt, häufig ist auch die Blasenschleimhaut gereizt und meldet ein „unangenehmes Gefühl“.

Unter gewissen Bedingungen kommen diese Symptome gehäuft vor, z.B.

  • nach bakteriellen Harnblaseninfektionen,
  • unter nervlichen Belastungen und Stress,
  • bei Frauen im Alter der Wechseljahre, wenn die Konzentration des Hormons Östrogen abfällt,
  • bei veränderter Zusammensetzung des Urins (durch Medikamente, Fehlernährung etc.)
  • selten auch durch neurologische Erkrankungen (z.B. Parkinson und andere)
    Natürlich sollten erkennbare Ursachen zu allererst behandelt werden. Aber da diese häufig nicht eindeutig zuzuordnen oder sie nicht einfach zu behandeln sind (z.B. Stress), bleiben uns oft nur unspezifische Maßnahmen. Um die Symptome einer Reizblase zu lindern, lohnt es sich die folgenden Verfahren einzusetzen:
  • Adäquate Trinkmenge je nach Konstitution (4 Liter sind für die meisten Menschen zu viel und 1 Liter zu wenig)
  • Training der Muskulatur des Beckenbodens
  • Entspannungsübungen
  • Akupunktur
  • Einsatz von pflanzlichen oder homöopathischen Arzneimitteln oder Mikrobiologika
  • Einsatz von chemischen Medikamenten (allerdings mit einigen möglichen Nebenwirkungen)

Besonders bei chronischen Beschwerden, die sich über Monate hinziehen, lohnt sich eine Eigenblutbehandlung, die die Schleimhaut schützt, die Krampfbereitschaft verringert und die Blasenfunktion beruhigt. Falls doch immer wieder bakterielle Infektionen dazu kommen, ist es notwendig, die Abwehrlage des Immunsystems zu steigern. Im Falle von Inkontinenz eignet sich eine Akupunkturbehandlung.

Auf jeden Fall sollten die Beschwerden einer Reizblase nicht einfach hingenommen, sondern vom Arzt abgeklärt und behandelt werden. Im ärztlichen Gespräch sind solche Themen übrigens nicht peinlich sondern angebracht und wichtig