Dr. med. Karin Schüllermann
Bettina Scholz
Praxis für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren

Histamin –Intoleranz

enterale Histaminose

Die Substanz Histamin ist im menschlichen Organismus in zahlreiche Prozesse eingebunden, insbesondere auch in den Ablauf von Allergien. Die Freisetzung von Histamin aus Zellen ins Blut oder Gewebe ist ein wesentlicher Schritt der allergischen Reaktion. Aber auch wenn man nicht allergisch ist, kann Histamin durch Nahrungsmittel oder Getränke über den Darm zugeführt allergieähnliche (pseudoallergische) Reaktionen hervorrufen (enterale Histaminose). Dabei ergeben sich einige Besonderheiten:

Histamin kann man nicht schmecken, es wird durch kochen nicht zerstört.

Es können sehr unterschiedliche Beschwerden auftreten:
das Spektrum reicht vom Durchfall und Kopfschmerzen über Hautrötungen und Juckreiz zu Schnupfen und asthmatischen Beschwerden, auch eine Nesselsucht mit Quaddeln und sogar eine kreislaufschockähnliche Reaktion kann auftreten, wenn nur die Histaminzufuhr entsprechend hoch genug ist. Auch ein erhöhter Blutdruck durch zu viel Histamin kommt vor. Eine Neurodermitis oder ein Ekzem können verschlechtert werden. Das häufigste Bespiel für eine solche Histaminintoleranz ist der Kopfschmerz am nächsten Morgen nach Rotwein.

Die Nahrungsmittel mit den höchsten Mengen an Histamin sind:

  • Wein, Sekt, Bier,
  • Fisch (besonders Thunfisch aber auch Sardellen u. Sardinen),
  • Hartkäse und Camenbert (insbesondere Emmentaler, Harzer Käse, Gouda, Stilton, Tilsiter, Cheddar, Monte Nero),
  • Dauerwurst (Osso collo, Salami, Westfäler Schinken, Knappseer, Heurigensalami),
  • Nüsse,
  • Essig, Sauerkraut,
  • Spinat, Tomaten,
  • Zitrusfrüchte, Erdbeeren (auch Histaminliberation).

Histamin ist aber nicht immer primär in den Nahrungsmitteln enthalten, der Gehalt hängt von der Reifung, Lagerung und Verarbeitung ab. Dies ist am besten am Beispiel von Fisch zu erklären: Wird ein Thunfisch sofort nach dem Fang verarbeitet (eingefroren oder eingedost), enthält er wenig oder kein Histamin. Wird er erst mal für 1-2 Tage zwischengelagert, können die Histamin-Konzentrationen extrem hoch sein. So kann auch ein sehr guter (=teurer) Wein aufgrund seiner Reifung und Lagerung hohe Mengen an Histamin enthalten, ein junger billiger Wein dagegen nicht.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch zu wissen, dass bestimmte Medikamente unabhängig von ihrer eigentlichen Wirkung diese Histaminreaktionen verstärken können (Histaminliberation): Chloroquin, Metamizol, Metoclopramid, Propaphenon, Verapamil, Codein, Chinin, Heparin u.a. und bei Narkosen Muskelrelaxantien, best.Hypnotika und Volumenersatzmittel.

Bei bestimmten Krankheitssymptomen oder Beschwerden kann es also sinnvoll sein, zunächst die genannten Nahrungs- und Genussmittel gänzlich zu meiden. Wenn sich die Symptome daraufhin bessern, hat man damit zunächst die Ursachenzusammenhänge erfasst. Man muss dann die Nahrungsmittel, die man nicht verträgt auf Dauer meiden. Meist merkt man selbst mit der Zeit was man verträgt, also welche Sorte Wein man verträgt, welchen Käse, welchen Fisch etc, ohne dass etwas passiert.

Manchmal kommen besonders heftige Histamin-Reaktionen vor, was vor allem für Nicht-Allergiker sehr überraschend sein kann. Dies sind schwere Durchfall-Beschwerden oder kräftige Nesselsucht-Anfälle, manchmal mit Schwellung der Haut, Unterhaut (auch Augenlider und Lippen) oder Schleimhaut, evtl. sogar bis hin zum Kreislaufschock (sehr selten).
Meist ist dabei die typische Konstellation: ein „gutes“Abendessen mit Alkohol, ein Medikament (s.o.) und körperliche Anstrengung. Die Reaktion kommt entweder schnell oder erst am nächsten Tag, z.B. beim Joggen am Folgetag. Denn eine kräftige körperliche Anstrengung (bis zur Erhitzung/Hautrötung/Schwitzen) begünstigt allergische und auch pseudoallergische Reaktionsabläufe im Organismus.
Magen-Darm-Infekte können während ihres Bestehens und auch einige Wochen danach derartige Histamin-Reaktionen begünstigen.

Medikamentös ist diese pseudoallergische Reaktion nur bedingt behandelbar, weil es sich nicht um einen im Körper ablaufenden Vorgang handelt, sondern um eine Substanzzufuhr von außen. Antihistaminika helfen hier nur teilweise (H1-und H2-Blocker).