Dr. med. Karin Schüllermann
Bettina Scholz
Praxis für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren

Magen – Darm – Infekt

Was tun, wenn…?

Die EHEC Fälle im Mai und Juni haben uns alle sehr besorgt. Eine so schwer verlaufende Erkrankung in Mittel- oder Westeuropa ist eben doch eher selten und hat uns so mit einer Realität konfrontiert, die wir gerne in Länder mit viel niedrigerem Hygienestatus hineininterpretieren. Aber trotzdem muss man sagen, die Infektion mit dem EHEC Keim und auch die schwere Komplikation mit Nierenversagen waren in Deutschland nicht unbekannt. Jedes Jahr werden vereinzelt Fälle registriert, ja selbst Todesfälle kommen jedes Jahr vor. Die Tatsache, dass ein Lebensmittel produzierender Betrieb Ausgang für die Übertragung war, ist natürlich besonders unglücklich.

Tatsächlich sind in Deutschland jedes Jahr eine Vielzahl von Keimen für Magen – Darm Beschwerden mit Erbrechen und/oder Durchfall verantwortlich. Die Übertragung dieser Mikroorganismen ist ähnlich wie beim EHEC Keim: Die Übertragung über verunreinigte Lebensmittel ist möglich, ebenso eine fäkal-orale Übertragung (also über den Stuhlgang, z.B. über verunreinigte Spielsachen oder Sand bei Kindern, über mit Abwasser gedüngtes Gemüse oder über den Kontakt mit Tieren) und selten eben auch eine Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch. Natürlich sind je nach Keim die Länge der Inkubation und die Schwere der Symptome verschieden, die meisten von uns kennen das z.B. von der Reisediarrhoe, dem Reisedurchfall. Ist der Keim erst einmal im Körper, kann es zu Erbrechen und/oder Durchfall kommen evt. auch mit Kopfschmerzen, Fieber, Bauchkrämpfen,…

Und was tut man dann?

In erster Linie müssen Flüssigkeit und auch die Salze, die mit dem Erbrechen oder auch Durchfall verloren gehen, wieder ersetzt werden, am besten in Form von Tee , stillem Wasser und Salzstangen. Nach 24 Stunden sollte hierunter der Durchfall stehen und kein Erbrechen mehr vorliegen. Anschließend beginnt man mit dem langsamen Kostaufbau mit getoastetem Weißbrot, Brühe, Haferschleim, Kartoffelpüree.

Bei Durchfall eignen sich Medikamente wie Uzara, Myrrhinil oder Perenterol oft zur Eigentherapie. Stark stopfende Medikamente wie Imodium oder Loperamid sind für die Mehrzahl der Fälle unnötig und auch kontraproduktiv. Wenn man den Darm lahm legt, kann der Keim den Körper ja nicht mehr verlassen. Für den Urlaub hat sich Imodium dennoch bewährt, wenn der Durchfall bei einer Bus- oder Flugreise zuschlägt oder der Flüssigkeitsverlust einfach zu hoch wird.

Übelkeit und Erbrechen lassen die Betroffenen oft noch stärker leiden, dauern aber in der Regel nicht sehr lange. Pflanzliche Medikamente wie z.B. Iberogast schaffen oft ein bisschen Abhilfe. Stärker wirksame Tropfen oder Tabletten, wie z.B. das bekannte MCP oder Paspertin, sind mit erheblich mehr Vorsicht zu verwenden. Sie eignen sich nicht für Kinder und auch Erwachsene reagieren oft mit Müdigkeit und Schwindel. Bei Kindern kann starkes Erbrechen mit Zäpfchen (wie z.B. Vomex, Emesan) gelindert werden. An ausreichende Flüssigkeitszufuhr muss insbesondere bei Kindern unbedingt geachtet werden!

Bei Kopfschmerzen und Fieber (über 38,5° C) ist Paracetamol ein geeignetes Medikament, allerdings ist die altersgemäße Höchstdosis zu beachten.

Wann muss ein Patient vom Arzt betreut werden?

Je nach Schweregrad und Erreger reagiert der Körper auch mit blutigen Durchfällen, Fieber, Bauchkrämpfen, Kopfschmerzen. Blutige Durchfälle haben immer sehr schwere Infektionen als Ursache (siehe EHEC) und sollten auf jeden Fall medizinisch versorgt werden. Aber auch unblutige Durchfälle, die den Patienten sehr schwächen, gehören medizinisch abgeklärt.

Besonders kleine Kinder und alte Menschen sind gefährdet, allein auf Grund des Flüssigkeitsverlustes lebensbedrohlich zu erkranken und müssen manchmal auch im Krankenhaus behandelt werden. Ein eindeutiges Kennzeichen ist die zunehmende Apathie, wenn kleine Kinder z.B. auf Ansprache nicht oder kaum noch reagieren. Auch länger währende Bauchkrämpfe müssen abgeklärt werden. Schwarze Durchfälle (Teerstühle) deuten auf altes Blut und sind ein Notfall, eine sofortige Vorstellung in Praxis oder Klinik ist dann immer erforderlich. Ebenso sind über Wochen immer wiederkehrende Durchfälle nicht typisch für einen Magen-Darm-Infekt und müssen ärztlich abgeklärt werden.

Eine Stuhlprobe sollte immer dann untersucht werden, wenn ein besonders schweres oder lange dauerndes Krankheitsbild vorliegt. Diese Untersuchung ist auch bei allen Patienten, die beruflich Lebensmittel verarbeiten oder in der Betreuung von Kindern oder Pflegebedürftigen eingesetzt sind, erforderlich.

Wie kann man sich schützen?

Maßnahmen um zu Hause eine Übertragung von Durchfallerregern zu verhindern, bestehen aus der normalen, konsequent durchgeführten Händehygiene (waschen mit Seife und Wasser) vor allem vor und nach Kontakt mit Lebensmitteln, sowie nach dem Toilettengang.

Lebensmittel können Infekte übertragen, wenn sie verunreinigt oder verdorben sind. Gerade in der Küche muss auf korrekte Hygiene geachtet werden. Dazu gehört das ausreichende Waschen von Obst und Gemüse, aber auch das korrekte Verarbeiten von Fleisch und Milchprodukten, Hühnerfleisch und Ei (Salmonellen), sowie das Reinigen aller Küchengeräte.

Bitte achten Sie auch darauf, dass ihre Kinder sich die Hände waschen, wenn sie draußen gespielt haben, oder Kontakt mit Tieren (auch ihren eigenen Haustieren) hatten.