Dr. med. Karin Schüllermann
Bettina Scholz
Praxis für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren

Rückenschmerzen

Na, dass kennen wir ja wirklich alle! Schmerzen im Nacken und an der Halswirbelsäule, im Kreuz, oder zwischen den Schulterblättern. Mal kommen diese Schmerzen langsam und schleichend, ein anderes Mal wie angeflogen. Kein Wunder, dass früher die Menschen die Bezeichnung Hexenschuss erfunden haben. Allein die Berührung kann schon weh tun, oder jede Bewegung oder auch weiter entfernte Körperteile. Oft können Betroffene nur noch vage angeben, was genau und wo es weh tut, weil einfach alles schmerzt.

Aber was eigentlich verursacht die Schmerzen? Leider gib es darauf oft keine eindeutige Antwort trotz aller moderner Diagnoseverfahren wie Computertomographie oder Kernspinuntersuchung (MRT). Auf den CT- oder MRT Bildern ist nicht ersichtlich, ob bestehende Veränderungen Schmerzen verursachen oder nicht. Ab einem Alter von 50 Jahren sind üblicherweise Abnutzungserscheinungen der Wirbelsäule, ob Bandscheibenschäden oder Arthrose der kleinen Wirbelgelenke, zu sehen. Ob sie Schmerzen verursachen oder nicht, ist nur in Extremfällen auf den CT, Röntgen oder MRT Bildern zu erkennen. In einer Studie wurde bei 50% der sich selbst als rückengesund bezeichnenden Patienten über 50 Jahre ein Bandscheibenvorfall ohne Beschwerden festgestellt. Denn ein Bandscheibenvorfall kann bei dem einen Ursache heftigster Schmerzen sein, bei einem anderen aber nur ein Zufallsbefund, den er gar nicht bemerkt.

Tatsächlich finden wir bei ca. 90% aller Rückenschmerzen keine endgültige oder eindeutige Diagnose. Veränderungen der Gewebe verursachen nicht automatisch Schmerzen. Dagegen können auch kleine Abnutzungen oder nur Muskelverkrampfungen höllisch schmerzen.
Rückenschmerzen kennen 9 von 10 Patienten, und es kann nicht nur Menschen treffen, die schwer körperlich arbeiten, sondern jede und jeden von uns. Manchmal reicht nur eine kleine „falsche“ Bewegung.

Der Aufbau unseres Rückens ist überaus komplex und beinhaltet so verschiedene Gewebe wie Knochen (z.B. die Wirbelkörper), Muskeln, Knorpel (an den Gelenkflächen oder auch die Bandscheiben), Nervengewebe des Rückenmarkes und der aus dem Wirbelkanal austretenden Nerven und Bindegewebe. Alle diese Gewebe können krankhaft verändert sein und dann Schmerzen verursachen. Die Diagnosen heißen dann: degenerative Veränderungen der Wirbelkörper und der Wirbelgelenke, Knochenschwund wie Osteoporose, Veränderungen des Knorpels der Bandscheiben oder der Gelenkflächen, Reizung des Nervengewebes im Bereich des Rückenmarkes oder der austretenden Nerven.
Sehr häufige Ursachen von Rückenschmerzen sind Muskelverspannungen aufgrund von Fehlhaltungen, einseitigen Belastungen und mangelnder Bewegung. Es kommt dabei zu einer ungleichmäßigen Belastung der Muskeln – manche Muskeln werden überfordert, andere unterfordert. In der Folge verkürzen oder verhärten sich Muskeln, was Verspannungen und Schmerzen nach sich ziehen kann. Auch ein eingeklemmter Nerv kann aus Muskelverspannungen resultieren und Rückenschmerzen verursachen. Dies ist weder im Röntgenbild noch CT noch im MRT sichtbar.

Und alle haben eines gemeinsam: es kann gemein weh tun! Aber zur Beruhigung: so unangenehm solche Diagnosen auch klingen, in 90% der Fälle klingen die Schmerzen folgenlos und innerhalb von 14 Tagen ab. Das Wiederauftreten kann oft verhindert oder zumindest reduziert werden! Verschiedene Therapieoptionen können Ihnen dabei helfen ,schnell wieder „ im Lot“ zu sein.

Natürlich sollen sie nicht schwer heben oder Leistungssport treiben, aber locker bewegen, gehen/walken, schwimmen oder leichte Gymnastik helfen deutlich mehr als still sitzen. Gerade am Beginn ist es oft sinnvoll, die Schmerzen mit Wärme, selten auch mit Kälte und/oder Medikamenten zu bekämpfen: Paracetamol, Ibuprofen oder Diclofenac können dabei eingesetzt werden. Achten Sie dabei aber bitte auf die Hinweise auf den Packungen: Schmerzmittel können die Magenschleimhaut reizen und bei längerem Gebrauch den Blutdruck nach oben treiben. Bei vielen Menschen helfen aber auch schon homöopatische Medikamente wie Aconit, Arnica oder Ferrum phosph. (Schüsslersalze). Wenn die Schmerzen trotzdem noch beeinträchtigend sind, gibt es die Möglichkeit einer Infiltrationsbehandlung beim Arzt. Dabei werden die Schmerzpunkte der Muskulatur direkt angespritzt, entweder nur mit einem Lokalanästhetikum oder aber – mit stärkerer Wirkung – auch in Kombination mit homöopathischen Arzneimitteln oder Ozon (beides sind Selbstzahlerleistungen). Bei akuten und chronischen, d.h. immer wieder kehrenden Kreuzschmerzen hilft Akupunktur sehr gut, bei chronischen Rückenschmerzen bezahlen dies auch die Krankenkasen. Physiotherapeutische Maßnahmen Osteopathie oder manuelle Therapie lönnen ebenfalls eingesetzt werden, genauso wie Krankengymnastik. Krankengymnastik hilft allerdings nur , wenn die Patienten die erlernten Übungen regelmäßig selbst ausführen!
Aber bitte beachten: falls außer den Schmerzen im Rückenbereich noch zusätzliche Beschwerden auftreten, wie zum Beispiel Taubheit der Beine oder Arme, Kribbbeln oder auch Lähmungen oder Verlust der Kontrolle über Blase oder Darm, müssen Sie auf jeden Fall den Arzt aufsuchen. Dann machen auch Untersuchungen wie eine Kernspintomographie oder Röntgen Sinn!
Wichtig für einen schmerzfreien Rücken ist, dass Sie sich regelmäßig bewegen. Suchen Sie sich eine Sportart, die Ihnen Spaß macht. Bewegung soll Freude machen und keine zusätzliche Belastung darstellen.