Dr. med. Karin Schüllermann
Bettina Scholz
Praxis für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren

Schilddrüsenerkrankungen

Die Schilddrüse gehört zu den Hormon produzierenden Organen unseres Körpers und liegt unterhalb des Kehlkopfes vor der Luftröhre im Hals. Die in der Schilddrüse gebildeten Hormone, Trijodthyronin T3 und Thyroxin T4, regulieren den Energiebedarf und Energiestoffwechsel in allen unseren Körperzellen, den Wärmehaushalt, die Herz- und die Atemfrequenz und die Reaktionsfähigkeit des Nerven- und Muskelgewebes.

Da so viele andere Organe von den Schilddrüsenhormonen abhängig sind, ergeben sich bei Schilddrüsenerkrankungen auch vielfältige Symptome. Fast alle Erkrankungen der Schilddrüse gehen entweder mit einer zu geringen (Unterfunktion) oder einer zu hohen (Überfunktion) Produktion von Schilddrüsenhormonen einher. Als Ursachen kommen völlig unterschiedliche Erkrankungen in Frage.

Als immer noch häufig, aber inzwischen deutlich seltener als noch vor ca. 30 Jahren, gilt die Struma. Als Struma oder Kropf bezeichnet man eine Vergrößerung der Schilddrüse (sichtbar und tastbar als Schwellung am vorderen Hals), die auf Grund eines Jodmangels entsteht und zu Knotenbildung in der Schilddrüse führen kann. Jod als Mineralstoff wird von der Schilddrüse zur Produktion der Schilddrüsenhormone benötigt. Deutschland gilt als Jodmangelgebiet, daher wird das Speisesalz mit Jod angereichert. Die tägliche Aufnahme sollte bei ca. 200 Mikrogramm liegen. Besonders in Zeiten von Hormonumstellungen wie z.B. in der Pubertät, aber natürlich auch in der Schwangerschaft, sollte unbedingt auf eine ausreichende Jodzufuhr geachtet werden.

Eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) entsteht, wenn zu wenig Schilddrüsenhormone vorhanden sind. Wenn dieser Zustand zu lange andauert, fängt der Körper an zu reagieren: Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Kälteempfindlichkeit, depressive Verstimmungen, Verstopfung oder auch Gewichtszunahme können die Folge sein. Schilddrüsenunterfunktionen gibt es im Rahmen von Jodmangel auch bei Entzündungen. Eine besonders häufige Art der Entzündung ist die Autoimmunerkrankung Hashimoto Thyreoiditis. Manche Patienten haben am Anfang der Erkrankung zunächst eine leichte Überfunktion, die dann in eine Unterfunktion übergeht. Meist fällt die Erkrankung jedoch durch eine nachlassende Schilddrüsenleistung, eine Unterfunktion, auf. Zunehmende Schwäche, fehlende Leistungskraft, Müdigkeit, aber auch Gewichtszunahme, Verstopfung und ähnliches können sich ganz langsam einschleichen – und oft dauert es lange, bis den Erkrankten auffällt, dass irgend etwas nicht stimmt.

Falls die Schilddrüse jedoch zu viele Hormone produziert, liegt eine Überfunktion vor, eine Hyperthyreose. Durch die Überstimulation kann es zu Herzrasen, Gewichtsabnahme bei gutem Appetit, Reizbarkeit, Nervosität, Zittern, erhöhtem Blutdruck, Wärmeunverträglichkeit, Durchfall oder Muskelbeschwerden kommen. Überfunktionen können bei Patienten auftreten, die sogenannte „heiße Knoten“ in der Schilddrüse haben, d.h. Areale, die ungefragt eine zu große Menge Schilddrüsenhormone produzieren, auch wenn der Körper diese gar nicht benötigt. Bekannt ist die Basedowsche Erkrankung, bei der es neben einer zu hohen Schilddrüsenhormonbildung auch zu einer Augenbeteiligung kommen kann, den sogenannten „ Glubschaugen“. Andere Entzündungen der Schilddrüse mit einem akutem Beginn sind eher selten.

Um eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse zu diagnostizieren, wird zunächst das Hormon bestimmt, das die Schilddrüse steuert, das TSH. Außerdem kann es zu Beginn einer Therapie sinnvoll sein, die freien Schilddrüsenhormone zu bestimmen und – je nachdem welche Grunderkrankung vermutet wird – auch Antikörper (z.B. bei der Hashimoto Thyreoiditis oder der Basedowschen Erkrankung). Bei Erkrankungsbeginn und evtl. später als Kontrolle werden Ultraschall und/oder eine Szintigraphie der Schilddrüse (Darstellung der Funktion der Schilddrüse mit Kontrastmittel) veranlasst. Solche Untersuchungen werden von spezialisierten Ärzten vorgenommen, entweder Endokrinologen, Nuklearmedizinern oder speziellen Radiologen.

Die Therapie der Schilddrüsenerkrankungen richtet sich nach der Grunderkrankung. Überfunktionen müssen – damit sie nicht den Körper, vor allem das Herz schädigen – schnell behandelt werden. Kurzfristig kommen dabei Medikamente zum Einsatz, langfristig meist Bestrahlungen oder Operationen.

Bei Unterfunktionen kann auf Tabletten zurückgegriffen werden, die das Schilddrüsenhormon selber enthalten. Je nach Stärke der Erkrankung muss die Dosis langsam angepasst werden. Am besten nimmt man das Schilddrüsenhormon direkt nach dem Aufwachen, 30 Min vor dem Frühstück. Dann kann es vor der ersten Mahlzeit verstoffwechselt werden und wirken. Kontrollen müssen ca. zweimal pro Jahr erfolgen, man mißt den TSH-Wert im Blut, damit die Dosis an den aktuellen Bedarf angepasst werden kann (Bei Gesunden reguliert der Körper den Wert selbst). Wichtig: am Morgen vor der Blutentnahme bitte das Medikament NICHT nehmen!