Dr. med. Karin Schüllermann
Bettina Scholz
Praxis für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren

Unklare Bauch-Beschwerden

Die Mitte unseres Körpers beherbergt grosse Teile unseres Verdauungssystems. Schmerzen und Krämpfe in diesem Körperabschnitt können verschiedene Ursachen haben, zum Beispiel Erkrankungen von Magen, Leber, Galle, Bauchspeicheldrüse oder Darm. Zum Glück bietet die moderne Medizin vielfältige Möglichkeiten der Diagnostik, von der manuellen Untersuchung, über die Blutanalyse, bildgebende Verfahren (wie Ultraschall oder Röntgen etc.) bis zu den stärker eingreifenden Massnahmen wie z.B. Magen- oder Darmspiegelung. Akute, schwere Erkrankungen können so erkannt und eine Therapie-Strategie entwickelt werden. Die Darmspiegelung (ab dem 55. Lebensjahr alle 10 Jahre) gehört übrigens zu den Vorsorgeleistungen.

Aber während bei den akuten und schweren Erkrankungen die klassische Medizin hervorragende Erfolge zu bieten hat, tut sie sich bei den chronischen Formen, den „funktionellen“ Beschwerden noch sehr schwer. Viele Menschen leiden – auch nach aller Diagnostik – weiter unter Luft im Bauch, Blähungen, Bauchschmerzen, Krämpfen, Durchfall oder Verstopfung, Übelkeit, Appetitstörungen und Mundgeruch.

Tatsächlich sind solche „Bauchschmerzen“ sehr, sehr häufig, ca. 30 % unserer Bevölkerung leiden darunter. Oft ertragen wir sie einfach. Vielleicht ärgern wir uns, wenn wir uns in unserer Mitte nicht so ganz wohl fühlen, aber meist gehen wir wieder zum Alltag über. So richtig ist das nicht immer. Es gibt immer mehr Forschungsergebnisse, die belegen, dass solche „leichten“ Darmstörungen chronische Erkrankungen verstärken oder sogar auslösen können. Zu diesen Erkrankungen können chronische Müdigkeit gehören, Magenschleimhautentzündungen, Gelenkbeschwerden, Asthma und Allergien, Haut-erkrankungen und sogar Depressionen.

Verantwortlich dafür ist die äußerst komplex aufgebaute Struktur unseres Darms und seiner Verdauungsfunktion. Allein die Tatsache, dass der gesunde Darm eines Erwachsenen eine Oberfläche von 400-500qm hat, ca. 80 % des menschlichen Immunsystems bindet und ca. 1000g Bakterien in sich trägt( das sind ca. 100 Billionen einzelne Keime in ungefähr 2000 verschiedenen Arten) macht über deutlich, dass Veränderungen zu vielfältigen Störungen im ganzen Körper bis hin zur Psyche führen können.

Eine entzündete Darmschleimhaut z.B. wird ihrer Auswahlfunktion nicht optimal gerecht. Nahrungsbestandteile, die normalerweise unverdaut ausgeschieden werden, gelangen durch die entzündlich gelockerte Schleimhaut in unser Blut und überfordern unser Immunsystem. Allergien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Haut und Schleimhautveränderungen können die Folge sein. Andere, wichtige Nahrungsbestandteile, wie z.B. Mineralstoffe und Vitamine, werden durch die veränderte Schleimhautstruktur nicht mehr aufgenommen und es kann zu Mangelerscheinungen kommen. Ebenso können Erkrankungen ganz anderer Organe verstärkt werden, wenn z.B. die notwendigen Medikamente nicht mehr ausreichend resorbiert werden.

Hat sich die Zusammensetzung unserer Darmflora verändert, entstehen z.B. mehr Fäulnis- oder Gärungsgase, die ihrerseits wieder die Schleimhaut schädigen. Störungen der Galle oder der Bauchspeicheldrüse verändern die Aufspaltung der Nahrungsmittel in ihre Bestandteile und damit die Versorgung des Körpers mit lebenswichtigen Stoffen.

Die Ursachen für Veränderungen im Darm können sehr unterschiedlich sein. Vielleicht waren Medikamente, z.B. Antibiotika, Kortison, Schmerzmittel oder Chemotherapeutika Auslöser für die Veränderungen im Darm, oder aber Infektionserkrankungen, erhöhter oxidativer Stress, Darmerkrankungen, chronischer psychischer Stress, Genussgifte wie z.B. Alkohol, ein Immun-Mangel, Nahrungsmittelunverträglicheiten oder Strahlenbelastung.

Auf jeden Fall lohnt es sich zunächst einmal die Störung selber und ihre Ursache zu analysieren und dann eine Lösung zu suchen. Hilfreich ist dabei eine genaue Analyse des Darmstatus mit Hilfe eines Stuhltestes, der genaue Informationen über Verdauungsleistung, mikrobiologische Zusammensetzung etc. gibt. Auf Grund dieser Ergebnisse kann man dann eine Therapie einleiten, die zunächst einmal die Verdauung selber stabilisiert und dann auch andere chronische Störungen dadurch positiv beeinflusst.

Allerdings brauchen die Betroffenen Geduld! Bei der Vielfalt an Strukturen, Keimen und Stoffwechselvorgängen braucht eine dauerhafte Gesundung des Darmes Zeit!